Tausendsassa
mit kritischem Blick


Bernd Heinelt's Klangfarben sind nicht zu übersehen.

Bernd Heinelt (43) liebt die Vielfalt. Malen - das ist seine Passion schlechthin, und was dabei herauskommt, ist so bunt und unbeschwert, dann wieder besinnlich - provokant, technisch anspruchsvoll, vermischt mit jeder Menge Kreativität und Phantasie, daß Bernd einfach nicht in eine bestimmte Richtung gedrängt werden kann. Immer sehr ästhetisch stellt er dar, was ihn bewegt, bis hin zu den seltsamsten Kreaturen, die - scheinbar erschlagen von Naturmaterialien - am Boden kriechen und vielleicht in den härtesten und arbeitsreichsten Monaten seines Lebens seiner Seele entsprungen sind.

Hauptberuflich ist Bernd Heinelt Dipl.-Ingenieur für Elektrotechnik und Mitglied der Geschäftsleitung bei der Telekom Niederlassung Würzburg. Mit seiner Frau Beate und seinen drei Kindern wohnt er am Moskauer Ring. Seine legere Art, das Leben zu meistem, begeistert längst auch seine Kinder Caroline (15), Anne (12) und Michael (6).Sie werkeln, gestalten und malen immer wieder mit, wenn Papa gerade seine kreative Phase auslebt.So haben Anne und Michael auch schon ihre kindlichen Figuren in Bernds Werke hineingestellt, zum Beispiel in die farbenfrohen Bilder "Weil ich hier der König bin" und "Am Anfang war das Blau".

Bernd ist Mitglied der Künstlergruppe am Heuchelhof. Zu sehen sind seine Bilder zur Zeit in der Galerie "Kunststück" in der Firma Greb in der Gattingerstraße und bei der Telekom am Paradeplatz - hier gehört er dem Verein "Foto, Form und Farbe Telekom Mainfranken" an. Eines seiner Ausstellungsobjekte ist eine Sandsteinskulptur, die Szene einer Umarmung.Gemeinsam mit Maria Schubert und Wolfhard Preuß gestaltete Bernd Heinelt kürzlich das Stadtteil-Plakat zum 25jährigen Bestehen des Bürgervereins Heuchelhof.

Weiteres herausragendes Werk - ebenfalls zu sehen bei der Telekom - ist das in Airbrush-Technik gefertigte Gemälde einer schwangeren Tunesierin.Ausgehend von der Erzählung eines tunesischen Freundes stellt Bernd Heinelt die ledige junge Frau dar, die von ihrer Umwelt verachtet, ja fast gesteinigt wird. Scheint sie zunächst durch runde Formen und warme Farben in eine Art Familienverband aufgenommen, so wirkt plötzlich der Kontrast: die anonymen Gesichter, die überbetont spitzen Fingernägel der sie umgebenden Menschen eine geballte Faust, der Finger, der abwertend auf ihren Bauch zeigt. Zu den Symbolen auf diesem Bild gehört der Halbmond für die arabische Welt und schließlich auch das Kreuz für das Abendland: Wurden nicht schon im Zeichen des Kreuzes Hexen verbrannt?

Weitere Themen sind zum Beispiel das Eindringen der Weißen in Afrika (dicke weiße Fußstapfen überrennen den afrikanischen Kontinent), die Kommunikation (abstrakte Gesichter senden farbige Impulse, von denen viele auf dem Weg zum anderen hängenbleiben)oder zum Beispiel Bernds Gitarre.

Auf seinem Lebensweg hatte er sie fast schon an den Nagel gehängt - dargestellt auf einem seiner Bilder. Aber an einem der nächsten Kommuniontermine im Frühjahr wird er sie in St. Sebastian doch wieder spielen.Er, der als Jugendlicher ministrierte und selbst einen Jugendclub in der Schweinfurter Pfarrei St. Anton aufbaute, kann nicht mehr davon ablassen, die unterschiedlichsten Themen kritisch zu beleuchten und sie in Beziehung zu seinem Glauben zu setzen.

Text: Regina Urbon

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